Jimmy Nagy ist Gründer und Leiter der Kattunfabrik, einem Projekt, das Geflüchtete beim Eintritt in den österreichischen Arbeitsmarkt unterstützt. Damit erledigt er einen Job, für den eigentlich die Regierung zuständig wäre. Denn alle Vertragsparteien der Europäischen Sozialcharta – und damit auch Österreich und Deutschland – verpflichten sich, genügend Arbeitsvermittlungsdienste für alle Arbeitnehmer*innen einzurichten sowie eine geeignete Berufsberatung und Berufsausbildung sicherzustellen.

Tatsächlich werden sowohl in Österreich als auch in Deutschland immer mehr Stimmen laut, die zeigen, dass die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten besser funktioniere als erwartet. So erklärte beispielsweise Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände im Dezember 2018, dass „von mehr als einer Million Menschen, die vor allem seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, heute bald 400.000 einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz haben“. Und auch bei einem Blick auf die Statistiken der deutschen Bundesagentur für Arbeit, wird ein Anstieg der Beschäftigungsquoten seit 2016 bemerkbar, während die Arbeitslosenquoten stetig sinken.

In der OECD-Studie Settling In 2018 wird jedoch kritisiert, dass viele hochgebildete und im Ausland geborene Personen über ihrer Qualifikation beschäftigt sind. Das zeigt sich insbesondere im Vergleich zu im Ausland geborene Personen. Konkret liegt die Überqualifizierungsquote bei Menschen mit eigener Migrationserfahrung bei 31,4 und bei im Inland geborenen Personen bei 16,2 Prozent.