Der Gedanke Dazusein
1

Monate müssen Menschen in Deutschland derzeit auf den Beginn einer Psychotherapie warten.

1 %

Menschen mit Folter-, Trauma- und Fluchterfahrung weisen laut einer internationalen Studie eine posttraumatische Belastungsstörung auf.

1 %

der befragten Geflüchteten geben laut einer Erhebung zur psychischen Gesundheit an, dass sie selbst keine Gewalterfahrungen erlebt haben.

Durch die EU-Aufnahmerichtlinie verpflichten sich die Mitgliedsstaaten allen Antragssteller*innen, eine adäquate medizinische und psychologische Behandlung zu gewährleisten. Doch gerade bei psychotherapeutische Angeboten ist die Versorgungssituation in Deutschland angespannt, speziell Geflüchtete haben einen erschwerten Zugang zu diesen Angeboten.

„Wenn ich jemanden helfe, hilft mir das selbst. Ich war traumatisiert, aber durch die Ausbildung konnte ich zuerst mir helfen und danach anderen Leuten. Ich kenne zum Beispiel jemanden, der schlimme Sachen erlebt hat, viele Flashbacks und schlechte Träume hat. Ich habe ihm erklärt, wieso er diese Träume und diese Flashbacks hat und wir haben gemeinsam Körperübungen gemacht. Das hilft im sehr.”

Nazir Alhaffar
Absolvent Trauma-Ersthilfe-Ausbildung

Mit dem Projekt „Muttersprachliche Trauma-Ersthilfe-Ausbildung für Geflüchtete“ werden Geflüchtete befähigt, sich selbst und anderen Geflüchteten nach traumatischen Erfahrungen beizustehen. 2018 wurden die ersten 30 Absolvent*innen in der bayerischen Kreisstadt Landsberg am Lech ausgebildet.

Ulrike Beckrath-Wilking
Traumatherapeutin

„Es sollte nicht auf Abschottung gesetzt werden, denn das fördert die Ängste der Menschen. Es ist eine klare Verantwortung der Politik, ob Ausgrenzung, Abschottung und Ängste gefördert werden, oder ob wir ein Miteinander fördern wollen, das betont, dass wir alle verletzliche Wesen sind, die unter traumatischen Bedingungen genauso reagieren würden und mitmenschliche Unterstützung brauchen.“

Dr.in med. Ulrike Beckrath-Wilking ist unter anderem Traumatherapeutin und Mitbegründerin des Trauma-Instituts Süddeutschland und dort auch Dozentin in dem Ausbildungscurriculum Traumafachberatung und Traumapädagogik. Im Interview sprich­t sie darüber, wieso das Projekt als Good Practice-Beispiel eingeordnet werden kann und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um traumatisierten Geflüchteten Sicherheit in Deutschland zu geben.

Apropos Gesundheit...

Hier veröffentlichen wir laufend weitere Artikel zum Thema Gesundheit.

Wie bewerten Migrant*innen in Wien ihr eigenes Älterwerden und die derzeitige Situation von Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen? Wie sieht es mit ihrem Informationsstand aus? Welche Barrieren und welche Erwartungen gibt es? Diese und weitere Fragen beantwort eine von der MA24 herausgegebene Studie.

Die Kassenpraxis Medico Chirurgicum in Wien ist die erste österreichweit, die muttersprachliche Live-Übersetzungen für Migrant*innen anbietet. So sollen folgenschwere Sprachbarrieren zwischen Ärzt*innen und Migrant*innen verhindert werden.